Culture „to go“: Ausstellung an der Seminarstraße

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Foto: Judith Franzen (Stadt- und Kreisarchäologie Osnabrück)

In Kooperation mit dem Fachgebiet Textiles Gestalten der  Universität Osnabrück (Prof. Dr. Bärbel Schmidt) ist seit Anfang Mai die kleine Ausstellung Der Rosenstrater: Textilarchäologie vor der Haustür zu sehen. Ausgewählte Exponate, die mit dem mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Textilhandwerk in Verbindung stehen, können direkt an der Seminarstraße im Schaufenster betrachtet werden. Die Ausstellung läuft noch bis Ende Juni.

 

Die Ofenkacheln

okIn dieser Woche werden die glasierten und figürlich verzierten Ofenkachelfragmente vorgestellt, die während der Grabung gefunden wurden. Nadine Knuck hat einen einleitenden Text mit Fundkatalog zusammengestellt. Schwerpunktmäßig lassen sich die Funde in das späte 16./frühe 17. Jahrhundert datieren, also genau dem Zeitraum, in dem die Osnabrücker Wollweber vermutlich am einflussreichsten waren. Es wundert daher nicht, dass sie – zu einigem Wohlstand gekommen – sich aufwendig verzierte Kachelöfen leisten konnten.

Glasfunde

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Frisch aus der Erde geholt. Die Unterseite eines Standfußes von einem spätmittelalterlichen Stangen- oder Kolbenglas.

Heute ist Glas allgegenwärtig – von der Getränkeflasche über Fensterglas bis hin zum Display oder den Glühlampen. Im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit hingegen waren Objekte aus Glas noch immer denjenigen vorbehalten, die sich teure Luxusgüter leisten konnten. Dennoch stammen auch aus dem Wollweberquartier an der Großen Rosenstraße einige wenige Objekte aus Glas. Lara Helsberg hat die Glasfunde ausgewertet und in einem Katalog zusammengestellt. Die Masse der Funde stammen aus dem 17./18. Jahrhundert, dennoch können wenige Stücke bis in das 14./15. Jahrhundert zurückdatiert werden. Jüngeres Material aus dem 19./20. Jahrhundert konnte bei der Auswertung nicht berücksichtigt werden, ab dieser Zeit tritt Glas massenhaft in Erscheinung.

Spinnwirtel

wirtelDie Schwungmasse am unteren Ende der Handspindel wird Spinnwirtel genannt.. Solche Wirtel finden sich seit der Steinzeit in archäologischen Befunden und weisen die Verarbeitung von Rohfasern wie Wolle oder Flachs zu Garn nach. In Osnabrücks Wollweberquartier, der Großen Rosenstraße, wurden ein Dutzend Spinnwirtel in spätmittelalterlichem bis frühneuzeitlichem Kontext gefunden und deuten auf die Produktion von Garn im Hauswerk hin. Einen übersichtlichen und kommentierten Katalog zu den Funden hat Kim Koehn zusammengestellt.

Die Tonpfeifen

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Verzierte Stielfragmente unterschiedlicher Tabakspfeifen aus Ton.

Als weiterer Beitrag zu den Funden von der Großen Rosenstraße folgt heute eine Übersicht der Tonpfeifenfragmente. Diese Fundgruppe taucht im Raum Osnabrück erst gegen Ende des 16. und im frühen 17. Jahrhundert auf. Die ältesten Tonpfeifenfragmente aus den Grabungen von 2015 und 2016 an der Großen Rosenstraße stammen aus dem Zeitraum zwischen 1620 und 1680. Tabakspfeifen aus Ton wurden bis in das 20. Jahrhundert hinein hergestellt. Weitere Informationen zur Thematik finden sich im Fundkatalog, der ab sofort auch im Bereich Grabungsdokumentation zu finden ist.

Die Münzfunde

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3 Pfennig aus Osnabrück, von 1703

Fünf Münzen (aus dem 13. bis 20. Jahrhundert) wurden in der Kampagne im Sommer 2016 an der Großen Rosenstraße gefunden. Der kleine Katalog der entdeckten Münzen ist der Auftakt für weitere Kurzbearbeitungen, die hier auf dem Blog in den nächsten Wochen vorgestellt werden sollen. Diese Arbeiten werden in der neuen Rubrik Grabungsdokumentation archiviert und stellen übersichtsartig das reiche Fundmaterial vor. Jeder Fundkatalog enthält eine kleine Einleitung zur Fundgruppe, einen ausführlichen Katalog der Funde und ein kurzes Literaturverzeichnis. Damit sollen die Funde zur weiteren wissenschaftlichen Bearbeitung zur Verfügung gestellt und ein Beitrag zu einer „offenen“ archäologischen Forschung geleistet werden.

Grabungsdokumentation

Eine neue Rubrik wird eingeführt: Die Grabungsdokumentation. Die Seite befindet sich als Unterpunkt zu „Die Ausgrabung“ in der Navigationsleiste. Hier sollen nach und nach die Ergebnisse der archäologischen Auswertung hinzugefügt werden. Ziel ist es, Funde und Befunde vorab der interessierten Öffentlichkeit aber auch der Fachwelt als Referenz zur Verfügung zu stellen. Umfangreichere Analysen werden später in entsprechenden wissenschaftlichen Medien publiziert werden.