Spinnwirtel

wirtelDie Schwungmasse am unteren Ende der Handspindel wird Spinnwirtel genannt.. Solche Wirtel finden sich seit der Steinzeit in archäologischen Befunden und weisen die Verarbeitung von Rohfasern wie Wolle oder Flachs zu Garn nach. In Osnabrücks Wollweberquartier, der Großen Rosenstraße, wurden ein Dutzend Spinnwirtel in spätmittelalterlichem bis frühneuzeitlichem Kontext gefunden und deuten auf die Produktion von Garn im Hauswerk hin. Einen übersichtlichen und kommentierten Katalog zu den Funden hat Kim Koehn zusammengestellt.

Die Tonpfeifen

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Verzierte Stielfragmente unterschiedlicher Tabakspfeifen aus Ton.

Als weiterer Beitrag zu den Funden von der Großen Rosenstraße folgt heute eine Übersicht der Tonpfeifenfragmente. Diese Fundgruppe taucht im Raum Osnabrück erst gegen Ende des 16. und im frühen 17. Jahrhundert auf. Die ältesten Tonpfeifenfragmente aus den Grabungen von 2015 und 2016 an der Großen Rosenstraße stammen aus dem Zeitraum zwischen 1620 und 1680. Tabakspfeifen aus Ton wurden bis in das 20. Jahrhundert hinein hergestellt. Weitere Informationen zur Thematik finden sich im Fundkatalog, der ab sofort auch im Bereich Grabungsdokumentation zu finden ist.

Die Münzfunde

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3 Pfennig aus Osnabrück, von 1703

Fünf Münzen (aus dem 13. bis 20. Jahrhundert) wurden in der Kampagne im Sommer 2016 an der Großen Rosenstraße gefunden. Der kleine Katalog der entdeckten Münzen ist der Auftakt für weitere Kurzbearbeitungen, die hier auf dem Blog in den nächsten Wochen vorgestellt werden sollen. Diese Arbeiten werden in der neuen Rubrik Grabungsdokumentation archiviert und stellen übersichtsartig das reiche Fundmaterial vor. Jeder Fundkatalog enthält eine kleine Einleitung zur Fundgruppe, einen ausführlichen Katalog der Funde und ein kurzes Literaturverzeichnis. Damit sollen die Funde zur weiteren wissenschaftlichen Bearbeitung zur Verfügung gestellt und ein Beitrag zu einer „offenen“ archäologischen Forschung geleistet werden.

Grabungsdokumentation

Eine neue Rubrik wird eingeführt: Die Grabungsdokumentation. Die Seite befindet sich als Unterpunkt zu „Die Ausgrabung“ in der Navigationsleiste. Hier sollen nach und nach die Ergebnisse der archäologischen Auswertung hinzugefügt werden. Ziel ist es, Funde und Befunde vorab der interessierten Öffentlichkeit aber auch der Fachwelt als Referenz zur Verfügung zu stellen. Umfangreichere Analysen werden später in entsprechenden wissenschaftlichen Medien publiziert werden.

Grabungspläne

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Nach längerer Pause möchten wir uns im Blog wieder zu Worte melden und einen ersten Plan der Grabung veröffentlichen. Der Plan zeigt schematisch die Umgebung der untersuchten Fläche an der Großen Rosenstraße: südlich der Straße (am unteren Rand des Plans) sind die Wohngebäude und im Norden das alte Wöhrl-Parkhaus sowie das nach Westen angrenzende Gebäude der Universität Osnabrück angegeben. In der Mitte des Plans ist die Lage der vier in den Jahren 2015 und 2016 untersuchten Flächen (Schnitte 1-4) eingezeichnet. Ingesamt wurde eine Fläche von rund 2000 Quadratmetern untersucht. Die hellgrau gerasterten Flächen markieren ausgegrabene Mauern, alle Erdbefunde (Gruben, Fußböden, Schichten usw.) sind nur im Umriss dargestellt.

Zwischen den einzelnen auf diese Weise verzeichneten Flächen/Befunden scheinen große „weiße“ Lücken zu klaffen, so als ob dort nichts gefunden worden wäre. Wenn man jedoch in einem weiteren Plan die unausgegrabenen Bereiche und die modernen Störungen durch Leitungen hinzufügt, wird ersichtlich, wie zerstört die untersuchte Fläche war. In dem erweiterten Plan geben schrägschraffierte Bereiche moderne Störungen durch Leitungen oder Baugruben an, kreuzschraffierte Bereiche kennzeichnen die nicht untersuchten Flächen, da sie entweder modern überbaut waren (wie im Ausfahrtbereich des Parkhauses in Schnitt 3) oder weil sie so tiefgründig modern zerstört waren, dass eine Grabung nach älteren Befunden aussichtslos war. Die roten Linien geben vorhandene oder über Pläne rekonstruierare Gebäudemauern im Bereich des Grundstücks Große Rosenstraße 4/5 (Schnitt 1 und 3) und im Bereich der alten Molkerei (Schnitt 4) an.

Zwischenstand: Aufarbeitung der Grabung

Der letzte Blogeintrag ist nun schon einige Zeit her, dies liegt vor allem daran, dass die Arbeiten an der Grabungsdokumentation im vollen Gange sind und nebenbei auch andere Arbeiten, wie der Blog steinzeitforschung.de, Lehraufträge an den Universitäten und der allgemeine vorweihnachtliche Stress auch die letzten Minuten Freizeit fressen. Dennoch soll heute wieder ein kurzer Überblick gegeben werden, denn es hat sich einiges getan:

1. Ein digitalisierter Plan der Grabungsflächen liegt nun vor und wird in Kürze auch online gestellt werden. Die Befunde sind grob vordatiert in die Zeitstufen Mittelalter und Neuzeit und werden auch auf der Karte entsprechend farblich hervorgehoben werden.

2. Im Varus-Kurier ist ein kurzer Artikel zu den Grabungen an der Großen Rosenstraße erschienen: Daniel Lau, Leben und Arbeiten im Mittelalter – Ausgrabungen in Osnabrücks Wollweberquartier. Varus-Kurier 18, 2016, 34. (siehe auch im Literaturverzeichnis).

3. Verschiedene Fundgruppen werden derzeit aufgearbeitet, um Anfang 2017 als Online-Kataloge auf dieser Website veröffentlicht zu werden. Damit soll auch der Fachwelt eine bequeme Möglichkeit zum Vergleichen von Funden aus anderen Ausgrabungen gegeben werden. Aktuell sind in der Bearbeitung sämtliche Steinobjekte, die Tonpfeifen, Ofenkacheln, Westerwälder Steinzeug und die Münzfunde.

4. Das Seminar zur Textilarchäologie an der Universität Osnabrück ist sehr gut angelaufen. Verschiedene studentische Arbeitsgruppen haben sich gebildet, die sich den folgenden Fundgruppen widmen: Spinnwirtel, Stecknadeln, Tuchplomben, Wolle, Knöpfe, Schere und ein metallisches Drahtgeflecht (ob letzteres für das Wollweberhandwerk genutzt wurde ist jedoch noch unklar, ebenso wie seine Funktion). Die Ergebnisse der Arbeitsgruppen fließen als Blogeinträge, Seminararbeiten oder in Form von Beiträgen in wissenschaftlichen Artikeln in die Forschung ein.

5. Die Arbeiten am Grabungsbericht werden zu Ende Februar abgeschlossen sein. Der Bericht wird dann ebenfalls hier als PDF-Dokument zu finden sein.

Das Team wünscht allen Leser_innen eine schöne Weihnachtszeit und einen guten Rutsch in das Jahr 2017!

steinzeitforschung.de

Heute ein Hinweis in eigener Sache, denn neben dem Mittelalter bildet die Erforschung der Steinzeit in Stadt und Landkreis Osnabrück einen besonderen Schwerpunkt meiner archäologischen Arbeit. Zusammen mit Heimatforscher Guido Groneik habe ich daher im Frühjahr 2016 eine neue Internetpräsenz ins Leben gerufen, die wir nun nach und nach mit Inhalten füllen: steinzeitforschung.de könnte auch für Sie interessant sein. Schauen Sie doch mal vorbei.
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